Sankt Michael im Kampf

 

Es gibt kaum eine Biographie Leo XIII., die nicht die Verehrung dieses großen Papstes zum hl. Michael hervorhebt. Allgemein nimmt man an, daß zwei entscheidende Erlebnisse den Papst dazu bewogen haben, die Andacht zum hl. Erzengel weltweit zu verbreiten. Die Broschüre "Der hl. Michael und der Sieg von Morgen" berichtet, wie Leo XIII. während seiner Betrachtung die Überströmung der Erde durch finstere Schwärme boshafter Geister, die aus dem Abgrund herauskamen, erlebte. Gleichzeitig erkannte er, daß Gott dem hl. Michael die Macht gegeben habe, sie wieder in die Hölle hinabzustürzen.

Am 13. Oktober 1884 vernahm derselbe Papst, als er den Altar nach der Feier der hl. Messe verließ, ein erstaunliches Gespräch zwischen Christus und Satan. Satan forderte noch 100 Jahre Zeit und mehr Macht, um die Kirche Gottes zu vernichten. Christus räumte sie ihm ein.

Bemerkt man, mit welchem Eifer Leo XIII. sich seit 1884 bemühte, die Verehrung des hl. Erzengels Michael in der ganzen Welt zu etablieren, so kann man an der Echtheit dieser Erlebnisse nicht zweifeln. Leo XIII. wurde auf klare und eindringliche Weise vom Himmel erleuchtet. Schon 1884 verfasste er ein Gebet zum hl. Erzengel und veranlasste, daß es alle Priester nach der Zelebration der hl. Messe kniend am Fuß des Altars verrichten sollten. Diese Haltung des Kniens ist hier ein besonderes Zeichen des Flehens, da der Priester sonst während der hl. Messe immer steht. So entstanden die "Leoninischen Gebete", die wir nach der stillen hl. Messe für die Verteidigung der hl. Kirche beten: nach den drei "Gegrüßet seist du Maria" und dem "Salve Regina", spricht der Priester das Gebet zum hl. Erzengel Michael. Papst Pius X. ließ diesen Gebeten die dreifache Anrufung "Heiligstes Herz Jesu, erbarme Dich unser" hinzufügen (20. Juni 1913) und Pius XI. verband mit der Intention seiner Vorgänger die der Bekehrung Rußlands (30. Mai 1934).

Am 18. Mai 1890 veröffentlichte Leo XIII. den berühmten und nach ihm benannten "kleinen Exorzismus". In dreifacher Weise war er damals eine Neuheit für die katholische Welt.

- Während der große Exorzismus mit äußerster Vorsicht und allein mit der Erlaubnis des Bischofs ausschließlich vom Priester verwendet werden darf, wünschte Leo XIII. daß "die Priester diesen Exorzismus oft benutzen, jeden Tag, wenn möglich, und daß auch die Laien ihn beten".

- Ferner richtet sich dieser Exorzismus nicht mehr auf einzelne Fälle der Bessenheit wie der große. Er soll eine Waffe zur Verteidigung der Kirche selbst sein, von der jeder Gebrauch machen kann. Mit prophetischem Blick sah Leo XIII., wie "Feinde voll Arglist die Kirche, die Braut des unbefleckten Lammes, mit Bitterkeit überhäufen und mit Wermut betränken. Ruchlos haben sie ihre Hände nach ihren Heiligtümern ausgestreckt. Selbst an der geweihten Stätte, wo der Sitz des hl. Petrus und der Lehrstuhl der Wahrheit als Leuchte der Welt errichtet ward, haben sie den verabscheuungswürdigen Thron ihrer Gottlosigkeit aufgeschlagen ,mit dem unseligen Plan, den Hirten zu schlagen und die Herde zu zerstreuen" (aus dem Gebet des Exorzismus). Am 30. Juni 1972 stellte Paul VI. in seiner Predigt fest: -"Der Rauch Satans ist in den Tempel Gottes eingedrungen". Damit war die Voraussage des leonischen Exorzismus in Erfüllung gegangen, denn, wie die Wolke die Anwesenheit des Geistes Gottes bedeutet, so der Rauch die des bösen Geistes (Exod 24,16 - Num 9,15 -3.Kon 8,10 - Matt 17,5). Ziel dieses Exorzismus ist die Befreiung der Kirche ' Gottes vom bösen Geist: "Lass ab, der Kirche Gottes zu schaden und ihrer Freiheit Fesseln anzulegen! Weiche Satan! Räume das Feld Christus, an dem du nichts von deinen Werken gefunden hast! Mach Platz für die Kirche..."

- Drittens eröffnete Leo XIII. mit dem Exorzismus das "Zeitalter des hl. Erzengels Michael". Zu ihm wendet er sich im Kampf gegen den Teufel. "0 glorreichster Fürst der himmlischen Heerscharen, hl. Erzengel Michael, beschütze uns im furchtbaren Kampfe, welchen wir gegen die bösen Geister zu bestehen haben... In dir als in seinem Verteidiger rühmt sich die Kirche... Auf denn, du unbesiegbarer Fürst!" Ist nicht diese feierliche Beschwörung ein Widerhall der apokalyptischen Vision des hl. Johannes: "Und es erhob sich ein großer Streit in den Himmeln: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen" (Off. 12,7)?

Die Leonischen Gebete, sind der liturgischen Revolution zum Opfer gefallen. Der Exorzismus zum hl. Erzengel wurde im Zuge des von Johannes XXIII. eingeleiteten neuen Irenismus entschärft und geriet in Vergessenheit. Wir möchten nicht in verstockter Blindheit die von Leo XIII. und seinen Nachfolgern so klar vorhergesehene Krise der Kirche verleugnen und in einem selbstmörderischen Wahnsinn die Mittel zur Verteidigung der Kirche im Kampf gegen den höllischen Drachen verwerfen! Unser Priorat im badischen Land sieht unter der Schutzherrschaft des großen Erzengels: Mehr als nur eine Ehre soll uns dieses Patronat auch Auftrag sein!

Pater Marc Gensbittel